1984: IMMER SCHÖN DEM TÜRMCHEN NACH

Bereits die erste Plakette von Peter Travaglini öffnete ein grosses Feld an Interpretationsmöglichkeiten.
Sie zeigt eine Fasnachtsfigur mit einer Türmchennase, also einem typischen Wahrzeichen
von Büren. Dabei handelte es sich noch um das «originale» Schulhaus-Türmchen
vor der 1996 vollzogenen Sanierung, die den Turm zumindest farblich völlig veränderte. Die
Narrenfigur, die sich lachend, aber auch lallend präsentiert, entpuppt sich in ihrer Darstellung
als ein/e echte/r Türmliwiler/in: festerprobt, grossmaulig und volkstümlich-bodenständig. Mit
ihren schweren Holzböden ist sie unverkennbar der Bauernfasnacht zuzuordnen, also eigentlich
keine Städterin, obwohl sich Büren gerne mit seinem Stadttitel schmückt. Sie trampelt
tanzend auf dem Jahr 1984 herum (Motto: was kümmert mich die Zeit?) und hält den sprudelnden
Kelch in der Hand, was darauf hinweist, dass die Neujahrstage anstehen, bei denen
auch einiges ins Sprudeln gerät. Durch das ausgelassene Tun bilden sich im Glas Luftbläschen.
Wohl nicht ganz zufälligerweise dient der Buchstabe «ü» von Büren als Sektglas, aus
dem es «blööterlet»: ein sanfter Hinweis, dass in Büren doch einiges blosse Luftblasen sind.
In abgewandelter Form kommt diese Anspielung auch in späteren Plaketten wieder zum Ausdruck.
Trotzdem (oder gerade deswegen?) geht es bei der Plakettenfigur vergnügt und lose zu
und her. Dass die Hand den Gürtel etwas lockert, hat ebenfalls seinen tieferen Sinn: die Fasnacht
soll ein kultureller Anlass sein (z .B. im Sinne des Schulhaustürmchens) und sich nicht
unter der Gürtellinie abspielen. So gesehen darf der Gürtel zwar etwas lose sitzen, aber das
Büre Nöijohr ist – wie jeder Brauch eine Sache des Kopfes, der Bildung und Kultur. Damit lässt
sich letztlich auch die Verbindung zur Türmchennase schaffen. Getreu dem Motto «immer
schön der Nase nach» muss es demnach lauten «immer schön dem Türmchen nach». Und da
es sich bei der Nase um den Schulhausturm handelt, ist klar, dass die Schule Wegweiser in
die Zukunft ist. Angesprochen wird somit die Jugend. Auf ihr ruhen die Hoffnungen bezüglich
Büre Nöijohr. Ein Zuruf also an Lehrer und Schüler, sich am Büre Nöijohr zu beteiligen und
entsprechend dessen Fortbestehen zu sichern.

Im übrigen ist auch eine weitere Deutung der Türmchennase möglich: Wie alles hat eben
auch das Büre Nöijohr seine Nase. Es braucht einen guten Spürsinn, um ein Brauchtum am
Leben zu erhalten und weiterzuentwickeln. Es braucht aber auch eine feine Nase, um Humor
zu «produzieren», zu spüren, zu pflegen und sich daran zu erfreuen.

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