1987: STEINE DES ANSTOSSES

Noch 1985 herrschte in Büren Freude, Stolz und Selbstzufriedenheit. Das grosse Jubiläumsfest
mit all den dazugehörigen Arbeiten hatte die Bevölkerung zu einer Gemeinschaft
zusammengeschweisst. Selten dürften so viele Bürer gemeinsam an der gleichen Sache
mitgewirkt haben. Auch das Städtchen war für das hohe Jubiläum herausgeputzt worden. Mit
frisch gestrichenen leuchtenden Fassaden, historischen Gewerbeschildern und renovierten
Häusern präsentierte sich Büren für seinen Geburtstag in jeder Beziehung von seiner allerbesten
Seite.
Doch wie bereits in den Einleitungsgedanken festgehalten, sollte die 800-jahr-Feier für Büren
irgendwie zu einem Abschluss eines grösseren Zeitabschnittes werden. Gerade der Streit
in der Kirche hatte gezeigt, dass es auch in Büren Gräben gibt. Zum Beispiel bezüglich der
Entwicklung des Städtchens traten immer deutlicher unterschiedliche Auffassungen zutage.
Interessenkonflikte zwischen dem Erhalten des Ursprünglichen und der Anpassung an neue
Gegebenheiten hatte es zwar immer gegeben. Mehr und mehr wurde aber die Kernfrage
nach dem Stellenwert des Städtchens als Stätte des Lebens und sich Begegnens wichtig.
Der Plakette von 1987 liegt diese Thematik zugrunde. Ihr Charakter ist jedenfalls sarkastischer
und weniger hoffnungsvoll als derjenige ihrer Vorgänger.
Das Sujet 1987 behandelt die angesprochene Thematik am Beispiel der Ländtesanierung.
Konkret ging es damals um die Frage: Parkplatz oder Lebensraum? Ein Teil des Ländteplatzes
wurde nämlich bei der Neugestaltung der Ländte für die Besucher und Spaziergänger statt
für die Autos ausgeschieden. Daran entzündeten sich die Geister von Büren aufs Heftigste.
Die Plakette zeigt eine Figur, die versucht, sich über die Steine, die in der Ländte zur Trennung
von Park- und Fussgängerraum geschaffen wurden, zu schwingen. Die Narrenfigur hält sich
dabei an zwei (wichtigen) Dingen fest: einer Laterne und einem jungen Bäumchen: die Laterne
als Quelle der Erleuchtung, der Baum als Symbol des Lebens. Auch wenn die beiden Dinge
nur schwach sind, so repräsentieren sie doch den sprichwörtlichen Strohhalm, auf den sich
der Narr als Letztes stützen kann. Das Nöijohr wurde also einmal mehr als Hoffnung gesehen,
auf unkonventionelle Art Hindernisse zu überwinden (z.B. als Anregung an gewisse Leute,
über ihren Schatten zu springen). Heute, Jahre danach, zeigt sich, dass die Idee des ausgesparten
Platzes richtig war: mittlerweilen entstand in dieser «Fussgängerzone» im Sommer
sogar ein Beizchen. Und männiglich erlabt sich dort oder ruht sich auf den Sitzbänken aus,
um seinen Gedanken – der Aare gleich – ihren Lauf zu lassen.

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