1992: JE HÖHER DESTO RAUCH

Die politische Zerstrittenheit Bürens trieb immer noch eigenartigere Blüten. Nicht nur war die
Pfeilerthematik zu einer kleinlichen Zwängerei und Machtdemonstration ausgeartet, generell
herrschte in Büren zunehmend ein frostigeres politisches Klima.
Die 1992-er Plakette nimmt sich diesem Thema an und zeigt als Hauptfigur einen leidgeplagten,
belasteten Politiker. Typisch sind seine äusseren Merkmale: traurige eingefallene
Augen, heruntergezogene Mundwinkel und ein verklebter Blick. Unschwer zu erkennen ist,
dass er als hoher Herr eine schwere Last (auch ein Laster?) trägt. Am Joch hängen zwei
Bauten: zum einen ein Stück verkohlte Brücke zum andern die Grastrocknungsanlage. Dies
hat folgende Bewandtnis: das Brückenelement hätte als Erinnerungsstück an den Brand aufbewahrt
werden sollen. Mangels eines geeigneten Standortes wurde es zerlegt und fault nun
irgendwo (sofern es inzwischen nicht ohnehin entsorgt wurde) vor sich hin. Dabei wäre mit
etwas Phantasie sicher ein passender Platz gefunden worden. Daher die Leichtigkeit und
Transparenz des Brückenelementes. Im Gegenzug präsentiert sich die Grastrocknungsanlage
als der schwere, undurchsichtige Teil: bei dieser ist nur gewiss, dass sie raucht und raucht.
Wie es mit dieser Anlage weitergehen soll, war damals (PS. sie wurde abgebaut und ist nun
in Rumänien im Einsatz) unklar. Interessant präsentiert sich auch der Rauch der Grastrocknungsanlage.
Dieser entpuppt sich als Figurenspiel. Offenbar ein Hinweis auf die Obrigkeit
unserer Gesellschaft, bei der sich jeder auf den andern stützt und alles bloss Rauch ist.
Jeder hilft jedem etwas zu sein, ansonsten würde analog dem Rauch die Auflösung drohen.
So wird weitergemacht (oder gewurstelt), hemdsärmelig und – wie das Joch andeutet – mit
mittelalterlichen Mitteln. Auch der Schriftzug verspricht wenig Verheissungsvolles: alles hängt
an einem dünnen Faden. Möglicherweise als Hinweis, dass nach dem Jubeljahr 1991 der
Schweiz (1291 – 1991) generell nicht mehr viel Kraft vorhanden war.