1994: HAT ES SCHON GEKLINGELT, ODER...

 

Als Glücksfall erwies sich, dass Flavia Travaglini ab 1994 die Plakettenserie ihres Vaters
fortsetzte. Besser hätte die Kontinuität in Stil und Inhalt der Plaketten nicht gewahrt werden
können. Die wunderbar gestaltete und bis ins feinste Detail ausgeschaffene Plakette von
1994 war ein Volltreffer und knüpfte sowohl thematisch wie künstlerisch nahtlos an ihre
Vorgänger an.
Gegenstand des Sujets war nämlich wieder ein «Stück» Büren. Und dabei ging es gleich
«hoch» hinaus, nämlich in die Welt der hohen Politik. Das Sujet liess sich mit der Frage zusammenfassen:
Hat es bei dir schon geklingelt, oder muss man noch etwas weiter läuten?
Augenfällig ist, dass es sich beim Plakettenbild um eine Klosterszene handelt. Die maskierten
Personen finden sich dabei offenbar zur Andacht zusammen. An der Zahl und der Geschlechteraufteilung
der Figuren ist unschwer zu erkennen, dass es sich um die höchsten Politiker
des Städtchens handeln muss. Was stehen sie denn sinnend, sinnierend, sich die Haare
raufend, tuschelnd und krampfhaft nachdenkend da? Nun des Rätsels (resp. der Plaketten)
Lösung war ganz einfach. Um grundsätzliche Diskussionen führen zu können, beschritt der
türmliwilersche Gemeinderat neue und moderne Lösungen. Seit 1993 führt er sogenannte
Klausursitzungen durch. Dabei sucht er jeweils einen ruhigen, abgeschiedenen Ort ausserhalb
von Büren auf. Am Besten würde sich dazu ein Kloster eignen. Dass Büren über einen
solchen Klausurort verfügt, also an das Naheliegendste (im wahrsten Sinne des Wortes),
haben aber die städtischen Honoratioren nicht gedacht. Gleich vor der Nase wäre nämlich
das Schlachthaus gelegen. Dieses ärmlich-verlassene und vernachlässigte Kulturgut Bürens
würde sich als Klosterersatz geradezu anbieten. Das Schlachthaus und damit Büren könnten
eine Marktlücke füllen und sich zum Klausur-Wallfahrtszentrum entwickeln. Mit diesem Gedanken
schlug das Plakettensujet auch gleich den historischen Bogen zum Nöijohrsbrauch,
der schliesslich auch aus der Wallfahrerei entstand. Über die Geschwindigkeit, mit der diese
Idee realisiert werden kann, macht sich aber die Plakette keine Illusionen: Vielleicht nützt
es, wenn etwas nachgegossen wird (hoffentlich mit Dünger), jedenfalls zeigt die Schrift (die
Bäume in der Ländte symbolisierend), dass in Büren nach wie vor einiges arg verworren ist.
Immerhin lässt sich nun fünf Jahre danach anfügen, dass das Schlachthaus zum Verkauf
ausgeschrieben ist.
PS. Am 1. September 2004 wurde das Schlachthaus als Restaurant Il Grano eröffnet.