2000: WO BRÜCKEN SICH IM KREISE DREHN

«Brennende» Themen des Jahres 1999 in Büren waren die Verkehrsproblematik, der durch
die Autobahn befürchtete Mehrverkehr und die Idee einer neuen Aarebrücke in Büren Ost.
Nachdem im bernischen Parlament noch Anfang 1998 eine Umfahrung von Büren aufs politische
Eis gelegt worden war, kam kurz vor dem Jahreswechsel 98/99 ungeahnte Bewegung
in die Sache. Der Gemeinderat von Büren favorisierte dabei die Errichtung eines neuen
Aareübergangs im Ostteil Bürens, um das Städtchen vom Nord-Süd-Verkehr zu entlasten.
Gegen das Vorgehen und das Übergehen der Anwohner und der Bevölkerung ganz allgemein
erwuchs eine grosse Opposition. Mit einer Petition wurde die Errichtung eines runden Tisches
erreicht. Diese breit abgestützte Meinungsbildung erarbeitete in der Folge Lösungsansätze
zur Verkehrsthematik.
Die Diskussionen um die neue Aarebrücke lieferten Flavia Travaglini dankbaren Stoff zur
Gestaltung ihrer siebten Nöijohrsplakette. Auf dem Sujet zu sehen sind denn auch alle Personen
und Elemente, die beim Projekt der Brücke eine entscheidende Rolle gespielt haben:
Augenfällig ist dabei die Strassenwirrnis, die beim genaueren Hinsehen den Schriftzug «Büre
Nöijohr» bildet. Darin wird auch gleich ersichtlich, wie schwierig es ist, eine Lösung zu finden.
Ob der runde Tisch dazu tauglich ist, bleibt offen. Die Gefahr besteht, dass sich nur alles im
Kreise dreht. Jedenfalls sind die Sektgläser noch nicht bereit zum Anstossen auf den Erfolg.
Kräftig nimmt sich die Figur des Venners aus, der (weil er persönlich engagiert war) gleich
stellvertretend für die Gegnerschaft des Projektes dasteht. Das Bauprofil hat er ausgerissen,
um den Baubeginn vorerst zu stoppen. Mit der zweiten Hand versucht er, den drohenden und
zunehmenden Schwerverkehr fernzuhalten. In einer eher passiven Form finden sich die Politiker
und Behörden. Als Fische betrachten sie stumm und auf die eigene Sicherheit bedacht,
was sich um sie herum abspielt. Indem die Künstlerin dem Venner die Jahrzahl «2000» als
Schlinge um den Hals legt, macht sie deutlich, dass eine Lösung gefunden werden muss,
ansonsten sich die Schlinge weiter zusammenziehen könnte, bis Büren im Verkehr erstickt.
So gesehen bekommen beim Plakettensujet 2000 alle Beteiligten ihren Teil ab: Das Projekt
ist zwar gestoppt, das Verkehrschaos aber bleibt. Mit den Sektgläsern mag die Künstlerin
wohl andeuten, dass alle gefordert sind, intensiv und gemeinsam nach Auswegen aus der
Situation zu suchen, so dass vielleicht im Jahr 2000 doch noch ein Prosit auf eine gelungene
Lösung des Bürener Verkehrsproblems möglich sein wird.