Büre Nöijohr 2013 (Mir si beGeischteret)

Mit der Zeichnung zum Sujet „Mir si beGeischteret“ legt Micha Weidmann seine zehnte Plakettenillustration
vor. Damit schliesst er auch seine zehnjährige Serie von Bürener Neujahrsplaketten
ab und beweist, dass er – obwohl sein Lebenszentrum längst London geworden
ist – immer noch mit Büren und seinem Städtchen verbunden ist.
„Mir si beGeischteret“ lässt bereits von der Schreibweise her erahnen, dass wir es wie in
den Vorjahren mit einem doppeldeutigen Sujet zu tun haben. Tatsächlich sind wir begeistert,
weil nun die Umfahrung endlich vollendet wurde und sich der Verkehr ausserhalb des
Städtchenkerns abwickeln sollte. Aber eben: sollte. In Tat und Wahrheit ist ein enorm reger
Schleichverkehr entstanden und die Umfahrung wird vielfach ignoriert. Somit ist die Umfahrungsstrasse
auf der Bahnhofstrasse beinahe eine „Geister-Bahn“ – bisweilen nämlich leer
und verlassen.

Aber nicht nur das. Mit der Umfahrung hat sich Büren auch für die Begegnungszone im Städtchen
ausgesprochen. Dafür wurde und wird noch viel investiert. Allerdings sind gerade im
vergangenen Jahr viele wichtige Geschäftsläden im Städtchen verschwunden oder mussten
schliessen. Wir sind also eher be-Geistert im Sinne, dass im Städtchen die Voraussetzungen
für eine lebhafte Begegnungszone baulich zwar nun vorhanden wären, das Geschäftsleben
aber nicht mehr hinreichend funktioniert.

Entsprechend kann die Neujahrsplakette 2013 auf zwei Arten angeschaut werden. Sie zeigt
nämlich beim genauen Betrachten zwei Gesichter: hält man sie mit dem Schriftzug „Nöijohr
2013“ vor sich, dann zeigt sie das begeisterte, lachende Gesicht. Das Gesicht übrigens ergibt
sich aus den Häusern und Türmchen des Städtchens, die Bögen symbolisieren die Augen,
der Aarelauf den Mund. Wird die Plakette auf den Kopf gestellt, also so, dass „Büre“ lesbar
ist, dann zeigt sich das Geistergesicht. Die Turmdächer bilden dabei die Zähne und die Bogen
wiederum den melancholisch-finsteren Blick. Grafisch ist wirklich ein Plaketten-Highlight
entstanden.

Die Plakette sagt damit folgendes aus: fast alles hat immer zwei Seiten. Erstrebenswert wäre,
wenn in Büren das freundliche, begeisterte Gesicht Vorrang hätte. Bis dies soweit ist, muss
allerdings noch viel getan werden. Hier nun sind die jetzt bestehenden Ladenbesitzer, die
Politiker aber auch die Bevölkerung gefordert, dass wir bezogen auf das gesellschaftliche
Leben nicht noch definitiv zum Geisterstädtchen werden.