Büre NöijohrSeit ~1530 · Erste Fasnacht der Schweiz

Brauchtum · Büre Nöijohr

Die Chesslete · 1. Januar · 05:01 Uhr

Weisse Nachthemden, Pfeifen und Trommeln: der legendäre Weckruf am 1. Januar um 05:01 Uhr in Büren an der Aare.

Wer das Büre Nöijohr wirklich von Anfang an erleben will, steht am 1. Januar kurz nach fünf auf — denn die Chesslete schläft nicht, sie weckt.

Ablauf am 1. Januar

  • • 04:45 Uhr — Besammlung beim Bahnhof Büren an der Aare. Tenü: weisses Nachthemd und Mütze.
  • • 05:01 Uhr — Böllerschuss und Start des Chesslerumzuges auf Befehl des Chesslermeisters. Erlaubt sind ausschliesslich mechanische Lärminstrumente (Pfeifen, Ratschen, Schellen, Trommeln, Pfannendeckel).
  • • ca. 05:30–06:00 Uhr — Marsch durch alle Quartiere der Altstadt. Mit einem kräftigen Endschesslen endet die Chesslete vor der Beiz, wo die Mehlsuppe serviert wird.
  • • Anschliessend — Mehlsuppe in den Restaurants. Seit den Anfängen der Chesslete gehört diese Stärkung zur Tradition.

Geschichte

  • Die Chesslete hat es in Büren nicht immer gegeben. Sie wurde 1950 eingeführt, als man — nach den schwierigen Nachkriegsjahren — das Büre Nöijohr wiederbeleben wollte. Vorbild waren die solothurnischen Nachbarn, bei denen das Chesslen schon damals zur Fasnacht gehörte. Bei der ersten Durchführung war die Beteiligung noch klein; inzwischen versammeln sich alljährlich zwischen 100 und 200 Personen jeden Alters zwischen vier und achtzig Jahren — Familien, Schüler, Fasnachts-Veteranen und Neugierige.
  • 1959 tauchte im Rahmen der Chesslete erstmals der sagenumwobene Nimmerselig am Büre Nöijohr auf — die Chessler suchten und jagten die Strohfigur, verhafteten sie und verurteilten sie zum Tode. Seither gehört die Nimmerselig-Verbrennung am Bärzelistag fest zum Büre Nöijohr.

Besonderheiten & Anekdoten

  • • „Tambourenzüügli“ — eine eigene kleine Gruppe, die sich immer ihren eigenen Weg durch die Gassen sucht und nicht mit dem grossen Haufen mitzieht. Siegfried Sutter, der bis ins Alter von 90 Jahren mitwirkte, prägte diese Tradition über Jahrzehnte.
  • • 1960er-Jahre — vorübergehende Umfunktionierung zur „Nimmerschgjagd“ (eine lustige Abwandlung des Nimmerselig-Motivs).

Symbolik

Die Chesslete ist kein Fasnachtsbrauch im engeren Sinne, sondern ein Mittwinter- und Neujahrsweckruf: das neue Jahr mit Lärm, Licht und Geselligkeit begrüssen. Lärm vertreibt seit alters die „Zwölften“ — die unheimlichen Rauhnächte zwischen Weihnachten und Dreikönig — und kündet den Menschen den Beginn eines neuen Jahres an. Heute ist die Chesslete vor allem eines: der fröhliche Auftakt zu zwei Tagen Ausnahmezustand im Stedtli.


Wer ist dabei?

Eigentlich jede und jeder, der Lust hat. Familien mit Kindern, Bekannte aus dem Stedtli, Stammchessler, Neugierige und Gelegenheits-Mitläufer:innen.


Häufige Fragen

Wann beginnt die Chesslete?

Die Chesslete beginnt am 1. Januar um 05:01 Uhr. Die Besammlung beim Bahnhof Büren an der Aare ist um 04:45 Uhr.

Wer organisiert die Chesslete?

Die Türmliwilerzunft Büren an der Aare organisiert die Chesslete. Start und Route sind traditionell festgelegt.

Seit wann gibt es die Chesslete in Büren?

Seit 1950. Vorbild waren die solothurnischen Nachbarn, bei denen das Chesslen schon damals zur Fasnacht gehörte.

Wo kann ich die Chesslete am besten sehen?

Treffpunkt ist beim Bahnhof Büren an der Aare um 04:45 Uhr. Der Zug geht durch die Altstadt (Stedtli) und endet vor der Beiz, wo anschliessend die Mehlsuppe serviert wird. Wer zuschauen will, sollte sich warm anziehen — Anfang Januar ist es in Büren an der Aare kalt.

Brauche ich ein Instrument?

Nein, die Chesslete lebt vom Mitmachen: alles Mechanische ist erlaubt — Pfeifen, Ratschen, Schellen, Trommeln, Pfannendeckel, leere Dosen, Töpfe, Besteck. Wer kreativ ist, fällt auf. Andere Chessler leihen in der Regel gerne etwas aus.