Büre NöijohrSeit ~1530 · Erste Fasnacht der Schweiz

Brauchtum · Büre Nöijohr

Der Nimmerselig · 2. Januar · Abend

Eine grosse Strohfigur, die am 2. Januar auf dem Marktplatz symbolisch verbrannt wird — Winter Ade, Neujahr willkommen.

Am Abend des 2. Januar lodert im Stedtli ein Strohmann — und mit ihm gehen Winter, Mühsal, alte Lasten und das alte Jahr in Rauch auf.

Was ist der Nimmerselig?

  • Der Nimmerselig (mundartlich für ‚der Nimmer-Selige') ist eine grosse, menschenähnliche Figur aus Stroh. Sie wird am 2. Januar auf dem Marktplatz unter grosser Anteilnahme der Bevölkerung verbrannt. Der Akt markiert symbolisch das Ende des Winters und den Anfang von Frühling und neuem Jahr.
  • Im Jahr 1959 tauchte der sagenumwobene Nimmerselig erstmals am Büre Nöijohr auf — damals wurde er an der Chesslete gesucht und gejagt, anschliessend verhaftet und zum Tode verurteilt. Seither gehört die Figur fest zum Brauchtum. Heute wird eine dem Nimmerselig nachgebildete Statue bereits am 11. November zum Auftakt des Büre Nöijohrs aus einer Nische im Rathauskeller befreit und bleibt über die närrischen Tage im Besitz der Zunft.

Etymologie: warum „Bärzelistag“?

Der 2. Januar heisst im Volksmund „Bärzelis-“ oder „Bärchtelistag“. Der Name hat mit dem Heiligen Berchtold nichts zu tun — er geht mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die germanische Mythologie zurück: „Bercht“ bzw. „Percht“ bedeutete „grosse, ganzheitliche Maskenfigur mit mächtigem Kopfputz“. Diese Form der „Perchten“ ist im gesamten Alpenraum verbreitet; in der Schweiz wird der 2. Januar vor allem in den protestantischen Gegenden des Mittellandes gefeiert.


Ursprung und Symbolik

  • • Sehr alte Tradition mit vorchristlichen Wurzeln. Bereits die Germanen glaubten an Dämonen, Geister und das „Wilde Heer“ Wotans, das zur Wintersonnenwende durch die Lüfte zog.
  • • Mit Lärm, Masken und Feuer sollte das Böse vertrieben, die Seelen der Verstorbenen besänftigt und der Winter „ausgetrieben“ werden.
  • • Auch im Christentum blieben die Bräuche lebendig — der Klerus duldete sie schliesslich, weil er sie nicht besiegen konnte.
  • • Heute ist der Akt weniger tiefe Liturgie als fröhlich-populäres Ritual: ein letztes Winterfeuer vor dem neuen Alltag.

Ablauf am 2. Januar

  • • Am Nachmittag wird die Strohfigur auf dem Marktplatz aufgebaut, oft mehrere Meter hoch.
  • • Am Nachmittag treffen sich befreundete Fasnachtszünfte aus Grenchen, Biel, Lyss, Münchenbuchsee, Schönbühl, Mülchi und Twann zum Delegationsapéro.
  • • Am frühen Abend wird der Nimmerselig im Stedtli unter Begleitung von Guggenmusik angezündet — den genauen Zeitpunkt findest du im aktuellen Programm.
  • • Die Chessler vom Vortag sind häufig auch beim Nimmerselig wieder dabei — wer die Nacht durchgemacht hat, schaut auch hier noch zu.

Häufige Fragen

Wann wird der Nimmerselig verbrannt?

Der Nimmerselig wird am 2. Januar am Abend in der Altstadt von Büren an der Aare verbrannt. Den genauen Zeitpunkt findest du im aktuellen Programm.

Was bedeutet Nimmerselig?

Der Name ist alemannisch und bedeutet so viel wie ‚der nicht Selige', ‚der Elende' — die Figur steht für alles, was man hinter sich lassen will: Winter, Schwere, alte Lasten.

Warum heisst der 2. Januar Bärzelistag?

Der Name kommt von der germanischen Mythengestalt „Bercht“ / „Percht“ und bedeutet so viel wie „grosse, ganzheitliche Maskenfigur mit mächtigem Kopfputz“. Mit dem Heiligen Berchtold hat der Brauch nichts zu tun.

Ist das heidnisch oder christlich?

Die Wurzeln reichen vermutlich in vorchristliche Winteraustreib-Rituale. Heute ist der Brauch nicht religiös besetzt, sondern ein fröhliches Gemeinschaftsereignis.