Büre NöijohrSeit ~1530 · Erste Fasnacht der Schweiz

Brauchtum · Büre Nöijohr

Die Schnitzelbänke · 11. November · 1. & 2. Januar

Wortkunst, Spott und Lokalkolorit — die Schnitzelbänke begleiten das Büre Nöijohr mit Versen über Zeitgeschehen, Stadt und Verein.

Was die Guggen mit Blech machen, machen die Schnitzelbänke mit Worten: sie begleiten das Büre Nöijohr mit Versen über das, was im Stedtli, im Verein und in der Welt gerade passiert.

Was sind Schnitzelbänke?

Schnitzelbänke sind lokale Wortkünstlergruppen. Sie treten am Büre Nöijohr in Versform auf — gereimt, gereiht, mit Lokalkolorit und Pointen. Über die Jahre haben sich mehrere feste Gruppen herausgebildet, die das Büre Nöijohr mit ihren Versen begleiten.


Wo treten sie auf?

  • • An der Plakettenvernissage am 11. November — dort geben sie jeweils einen Vorgeschmack auf die neuen Verse und kommentieren das neue Sujet der Jahresplakette mit Spott und Anspielungen.
  • • Nach dem grossen Umzug am 1. Januar — dann ziehen sie als «Schnitzelbank-Gruppen» von Beiz zu Beiz durchs Stedtli und tragen ihre Verse vor.
  • • Am Bärzelistag-Abend (2. Januar) — in den Beizen und auf Bühnen, zwischen den Guggen-Auftritten.

Wer steht dahinter?

Heute sind es nur noch zwei feste Gruppen, die das Büre Nöijohr regelmässig mit Versen begleiten: die FC-Schnitzelbank und der Vennerspiegel. Weitere Gruppen treten je nach Saison und Lust zusammen — wer mitmachen will, kann sich an die Türmliwilerzunft wenden.


Geschichte

Schnitzelbänke haben im Büre Nöijohr eine lange Tradition. Schon in den Nachkriegsjahren — als das Fest nach dem 2. Weltkrieg wiederbelebt wurde — traten Wortkünstler in den Beizen und am Umzug auf. Über die Jahrzehnte haben sich die Gruppen verändert, die Tradition ist geblieben: gereimter Spott über das, was das Jahr über in Büren passiert ist.


Heute noch aktiv

  • FC-Schnitzelbank — die wohl bekannteste Gruppe am Büre Nöijohr, tritt traditionell in Frack und Zylinder am 1. Januar auf und glossiert Missgeschicke aus Büren und Sportereignisse.
    Bim Fernsehluege cha mes gseh
    S isch gibeligäub u fahrt im Schnee
    S isch Heinzer, Accola u CO
    Wo hei ä Chäsdress übercho.
    — 1993
  • Vennerspiegel — beerbt die Ländtibise, tritt mit traditionellem Kostüm am 1. Januar auf und verkauft den Vennerspiegel, um dann am 2. Januar noch des Venners Zusatzpost zu singen.
    Är numt em Lama sini lahmi Art a
    u späiti wäge Chlinigkeite ds Vouk a
    jetz gloube mir miseu
    das Menü göng e Teu
    vo üsem Gmeinrat öppe dört go mampfa
    — 1995

Vergangene Schnitzelbänke

  • Ländtibise — die legendäre Schnitzelbank, von Ernst Rätz in unnachahmlicher Weise gestaltet. Trat vor allem am Bärzelistag-Abend in den Beizen auf und gilt als Vorläuferin des Vennerspiegels.
  • Reibe Cheibe Zunft — trat jeweils an beiden Abenden mit verschiedenen Themen auf. Am 1. Januar glossierte sie Ereignisse aus der ganzen Welt, am 2. Januar ausschliesslich solche aus Büren. Ihre Kostüme wechselten jährlich.
    In Öschtrich, säg, isch das nid gfröit
    Im Tannewaud wird Viagra gschtröit
    Si meine, s gäb schön nebeneinänder
    Wiehnachtsböim mit samt em Schtänder.
    — 1999
  • Schlosswanze — eine Gruppe mit traditionellem Kostüm, die unter anderem auch politische Themen verarbeitete. Ihre Melodien waren jeweils dem Thema angepasst.
    Dr Bernhard duet zwüschdüre gärn
    politisiere müglechscht z Bärn
    es Comeback seit är locker a
    ohni grossi Lamenta
    Fischer u Fischer i grosse Rat
    «Mir si ganz schlau u o parat!»
    — 1998
  • Türmli Troubadoure — traten in den Anfängen der Türmliwilerzunft auf, stets mit schönen Biedermeierkleidern kostümiert. Setzten sich aus den drei Ehepaaren Fritz Schori, Kurt Bandi und Markus Wyss zusammen.
    Es git es Filet Wellington, u Röschti a
    Discretion.
    Es git Spaghetti Carbonara u früschi
    Scampi a la Mare.
    Im Löie gits jetz à la carte
    en umgeschossne Wurschtsalat.
    — 1982
  • d'Schüredörfler — die offizielle Schnitzelbankgruppe der Türmliwilerzunft. Praktisch der gesamte Zunftrat und einige Zugewandte machten mit, schneiderten jährlich neue Kostüme und wechselten zu jeder Strophe die Melodie.
    Guete Sunntig mitenand,
    seit der Bürener Gwärbverband
    Dört am schöne Bodesee,
    hei si welle d'Musig gseh,
    Doch dä isch ne hingeruse,
    nei nid öppe wägem Pfuuse
    Sondern will sis nid hei gfunge,
    ds Früekonzärt am Hafe unge.
  • Häftlichräje(r) — eine Gruppe aus den Anfängen der Türmliwilerzunft mit Fredy Stotzer, Max Gribi, Rosemarie Weibel und Willy Scholl. Dank der politisch gefärbten Verse und dem virtuosen Orgelspiel von Fredy Stotzer eine Attraktion.
    Das Furkaloch wachst gäng, me wotts um ds verrecke
    für ds SBB Defizit drinn chönne z verschtecke.
    Oben ohne, jo gället, do gits nüt ds verschtecke
    süsch chunnt wie erwartet d BUSIPO cho zseckle.
    — 1979
  • dr Gaugevogu — die Schnitzelbankgruppe des Turnvereins, befasste sich vorwiegend mit Themen aus Büren.
    Äs Wasserrad fäut no ar Mühli z Büre
    für dass si ändtlich wider z loufte chunnt.
    Am Steiner Fredu müesst dr ungere füüre
    dass Bolliger sis Gäut überchunnt!
    — 1984
  • Budelhünd und Schelmedierer — ein Familienunternehmen des leider allzufrüh verstorbenen Hans Weyeneth. Trat zur 800-Jahrfeier 1985 auf, wechselte je nach Hauptthema alljährlich ihre Kostüme.
    Für üses grosse Bürefescht
    bringt d Füürwehr grad dr auerbescht:
    Si macht die auti Schprütze flott,
    da gseh si erscht: d Latärne isch furt!
    Si hei se, es isch fasch wünger,
    bim Marabu im Garasch gfunge!
  • Männerchor (unter Ernst Rätz) — sporadisch in den Achtzigerjahren als Schnitzelbank. Ernst Rätz hat bereits in früheren Jahrzehnten das Publikum mit gekonnten Produktionen unterhalten.
  • Neu-Türmliwyl — eine Schnitzelbank mit Versen unter anderem über Rüti und das Schloss, mit Textanleihen aus dem Türmli-Kanon.
    In Rüti diskutiert me heiss,
    über dä höchi Schloott
    vor dä Sonder-Abfall-Brönn-Aalag,
    wo d'Thommen AG wott
    U Büre meint, eso ne Turm,
    das isch nid Rütis Stil.
    Süsch gäbs us Rüti plötzlich no,
    es wyters Türmliwyl!
  • Grüchtliwüscher (Stadtmusik) und Oberbüre Spatze — traten nur einmal auf, wirken heute als Musik- oder Maskengruppen weiter.

Häufige Fragen

Was machen Schnitzelbänke?

Schnitzelbänke sind lokale Wortkünstlergruppen, die am Büre Nöijohr in Versform auftreten — mit Spott, Lokalkolorit und Pointen über das, was im Verein, in der Stadt und in der Welt gerade passiert.

Wo kann ich die Schnitzelbänke hören?

An der Plakettenvernissage am 11. November sowie nach dem Umzug am 1. Januar und am Bärzelistag-Abend (2. Januar). Die genauen Zeiten und Lokale findest du im Programm und im Tourenplan.

Wer schreibt die Verse?

Die Mitglieder der jeweiligen Schnitzelbank-Gruppen. Die Verse werden jährlich frisch auf die aktuellen Begebenheiten zugeschnitten — Vereinsinternes, Stadtgeschehen, Bundespolitik.

Gab es früher mehr Schnitzelbänke?

Ja. Heute noch aktiv sind nur noch die FC-Schnitzelbank und der Vennerspiegel. Über die Jahrzehnte traten viele weitere Gruppen auf — die meisten nur für eine oder wenige Saisons, darunter die Ländtibise, die Reibe Cheibe Zunft, die Schlosswanze, die Türmli Troubadoure, die d'Schüredörfler, die Häftlichräje(r), der Gaugevogu, die Budelhünd und Schelmedierer, der Männerchor unter Ernst Rätz und andere mehr.

Kann ich selber eine Schnitzelbank gründen?

Im Prinzip ja. Die Schnitzelbänke sind kein offizieller Verein, sondern freie Gruppen. Wer Spass an gereimter Lokalpoesie hat, kann mit Gleichgesinnten eine Gruppe bilden — am besten via Kontakt zur Türmliwilerzunft.